Bewegung bei Schmerzen

Wenn ein Mensch Schmerzen hat, versucht er natürlicherweise, diesem auszuweichen, was im Akutfall auch sinnvoll ist. Auf Dauer aber kann ein solches „Ausweichen“ zu Folgeschmerzen an anderen Orten führen, und auch unsere Flexibilität und damit unser persönlicher Wirkungs- und Gestaltungsraum wird dadurch immer kleiner.  

Ein weiterer typisch westlicher Lösungsansatz ist, den Schmerzen mit Leistung, Anstrengung und Einsatz zu begegnen. In bester Absicht begeben wir uns (über-)motiviert in Dehnhaltungen, anstatt uns entspannt hineinsinken zu lassen. Meist ist uns auch die gesamte Bewegungskoordination unseres Körpers fremd, wir bleiben einfach auf unseren Schmerz fixiert und versuchen ihn dort zu lösen, wo er sich zeigt. Meist aber liegt das Grundproblem ganz woanders und der Schmerz ist einfach nur das letzte Glied einer falschen Organisationskette. Und solange wir im „Anstrengungsmodus“ sind, können wir nicht wahrnehmen und unser Körper nichts neues Lernen.

Darum bringe ich immer wieder sehr kleine, anstrengungsarme Bewegungen mit in die Stunde und versuche gleichzeitig, alle an einer bestimmten Bewegung mitbeteiligten Körperteile ins Bewusstsein zu bringen. Mein Ziel dabei ist, die Befreiung der Gelenke, indem unnötiger Zug erkannt und losgelassen werden kann. Das kann anfänglich Muskelkater oder leichte Anlaufschmerzen verursachen, schliesslich werden einzelne Körperanteile wieder ins Bewusstsein und ins Leben zurückgeholt, die über lange Zeit aus unserer Wahrnehmung herausgefallen waren. Nichts desto trotz erfährt unser Körper aber gerade darüber eine neue Flexibilität und eine Erweiterung seines Handlungs- und Haltungsspielraumes.

Wichtig bleibt, dass die angeleiteten Bewegungen nicht als „Übung“, sondern als Lernprozess verstanden werden. Wir gehen also nicht „in die Vollen“, sondern achten und wahren unsere ganz persönlichen Grenzen. Denn nur in der Entspannung kann der Körper lernen. Im „Leistungsmodus“ ruft er lediglich die altbekannten, oft ungünstigen Haltungs- und Bewegungsmuster ab – da bleibt keine Zeit für ein kreatives Alternativprogramm.

 

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