Unser "sozialer Körper"

Alle Menschen entwickeln im Verlaufe ihres Lebens einen "sozialen Körper", dessen Form, Bewegungen und Haltungen durch die persönliche Lebenserfahrung geprägt wurden. So (be-)wahren die einen „Haltung", indem sie ihre Wirbelsäule „einfrieren“, andere futtern sich eine schützende "Pufferzone" aus Fettgewebe an und wieder andere verstecken ihr verletzliches Selbst in einem Muskelpanzer.

Auch ich suchte über Jahre „Rückendeckung“, indem ich mich versteifte, schob meinen Nacken nach vorne, um schnellstmöglich die Bedürfnisse anderer vorauszusehen, zog meine Schultern hoch, um die Last meiner Mitmenschen mitzutragen und verbot mir zu atmen, bis ich sicher war, dass sich niemand durch meine Anwesenheit oder Aussagen beleidigt fühlte.

Diese enorm energieraubende "Haltung" unterband meine Selbstwahrnehmung, so dass ich die unterschwellige Erschöpfung meines chronisch angespannten Nervensystems nicht wahrnahm. Das war meine erlernte (Über-)Lebensstrategie, und es dauerte fast ein halbes Jahrhundert, bis ich meinen wahren Energieräubern auf die Schliche kam und „Loslassen“ lernte.

Niemand ist vor den Belastungen der Welt gefeit. Es wird immer wieder Zeiten geben, in denen wir uns verbiegen, verschliessen oder "kaltstellen", um anderen zu gefallen, um uns zu schützen oder um den hohen äusseren und inneren Anforderungen gerecht zu werden. Damit grenzen wir „unliebsame Emotionen“ aus...  Diese wollen jedoch auch angenommen und gefühlt werden. Erhalten Sie keinen Ausdrucksraum, verkörpern sie sich und melden sich früher oder später in Form von körperlichen und psychischen Anspannungen oder Schmerzen zurück. Die simple Aufforderung: „Entspann Dich einfach“ ist hier wenig hilfreich. Damit der über Jahre aufgebaute „soziale Körper“ umgebaut, resp. integriert werden kann, müssen wir das Selbstempfinden einbeziehen; das achtsame Hinfühlen, Wahrnehmen und Akzeptieren, was ist. Dadurch kann sich das Nervensystem entspannen… was immer eine direkte Rückwirkung auf das Muskel- und Fasziengewebe hat.  

Unachtsames, ergebnis- oder zielorientiertes Nachturnen angeblich „perfekter“ Bewegungen im Yoga-Unterricht kann die Anspannung noch erhöhen. Und auch der Vergleich mit vermeintlich fortgeschritteneren Mitschülern ist eher kontraproduktiv und kann Minderwertigkeitsgefühle im Seelenleben auslösen.

Darum  arbeite ich in meinen Yogaklassen viel mit Selbstwahrnehmungsübungen und sanften, zum Teil auch ungewohnten Bewegungen; das eröffnet dem Körper neue Haltungs- und Handlungsmöglichkeiten, so dass die ausgefahrenen Gleise Schritt für Schritt verlassen werden können.  

 

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