Seelen-Ruhe

Wenn unserem Leben die Stille fehlt, wird unsere Seele dem Druck der Welt nicht standhalten, und unsere Alltage werden fragen: Sinn oder Gott, wo bist Du?

Wenn wir zu viel wollen, verlieren wir den natürlichen Fluss des Geistes. Wenn wir uns zu sehr abmühen, verlieren wir unseren Körper. Wir sind dann wie der Mensch im Hamsterrad, der mit letzter Kraft versucht, das Rad anzutreiben, in der Überzeugung, dass es alleine an ihm liege, das Rad in Bewegung zu halten. Dabei bemerkt er nicht, dass es das Rad ist, das ihn unentwegt antreibt und am Rennen hält. In solchen Überzeugungen bewegen sich viele Menschen heute im Hamsterrad und lassen ihre Kräfte sinnlos aufzehren. Wozu? Muss denn wirklich immer alles schneller und noch besser werden. Ist es notwendig, dass wir uns aufreiben und verausgaben? Liegt es tatsächlich in unserer Macht, die Dinge aus eigener Kraft schneller drehen zu lassen? Und woher kommt dieser innere Antrieb? 

 „Die Unruh kommt von Dir,
nichts ist, das Dich bewegt,
Du selbst bist das Rad,
das aus sich selbst läuft
und keine Ruhe hat.“

(Angelus Silesius)

 

„Gelassenheit“ ist eine Wortschöpfung von Meister Eckhart (1260 – 1328), die er mit folgender kleinen Geschichte umschreibt.

„Ein Mensch kam nach einer langen Wanderung an einen einsamen Gebirgssee. Die Oberfläche des Sees war spiegelglatt und reflektierte auf eine vollkommene und ungestörte Weise den Himmel. Dass der See so ruhig war, hatte einen einzigen Grund: Er wurde nicht gestört. Es war niemand da, der ihn aufgewühlt und darin herumgerührt hätte. Das ist der Grund der Gelassenheit: Der See wurde in Ruhe gelassen.“

In unserer Allmachts-Gesellschaft pflegen Viele immer noch den Irrglauben, dass wichtige Dinge sich machen liessen. Gelassenheit aber kann man nicht machen. Das würde bedeuten, den See aufzuwühlen, um ihn zur Ruhe zu bringen. Paradox!

Sowenig wie der See kann auch die Seele nicht ruhig gemacht werden. Sie wird ruhig, wenn sie gelassen wird. Wir wühlen sie nicht auf, vermeiden unnötige Aufregung, reden ihr nicht ständig ein, wie die Welt und unser Leben zu sein hätten. Woher wissen wir denn so genau, wie die Dinge zu sein haben? Wäre unsere Direktive mit jener unseres Nachbarns deckungsgleich?

Gelassenheit ist weder ein Zustand des Machens noch des Loslassens, sondern ein sich vertrauensvolles Überlassen… der Weltenordnung, dem Lebensfluss, der göttlichen Führung. Hier entspringt die Quelle der Gelassenheit.

Übergeordnete Wahrheit lässt sich nicht durch eigene Klügeleien übertönen. Weisheit schreit nie zurück, sondern verstummt, und wartet, bis wir bereit sind zu hören. Viel wichtiger, als alle Dinge erklären zu wollen, wäre es, unser eigenes "Gefäss" zuerst zu klären, damit Weisheit in uns einfliessen und uns inspirieren kann.

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